Angedacht zum Monatsspruch April

Liebe Gemeinde,

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege?“
Lk. 24,31

Die Emmaus-Geschichte – nacherzählt

Tauerwege. Der Blick bleibt am Boden. Die Zeit fühlt sich an, als sei auch sie gestorben. Mechanisch läuft die Zeit weiter. Funktioniert, ohne lebendig zu sein.
Du gehst auf dem Weg, der unüberschaubar ist, und die Beine bewegen sich, als gehörten sie nicht zu dir. Neben dir einer, der ähnlich fühlt. Die Luft zwischen euch schweigt und wiegt schwer. Wenn einer zu sprechen beginnt, ist die Stimme müde und mürb von enttäuschter Hoffnung. Stockend, stotternd verlassen die Worte den Mund, als ließe sich nicht in Worte fassen, was nicht zu fassen ist.

Einer stößt dazu, geht nebenher. Du nimmst ihn kaum wahr mit deinem gesenkten Kopf. Bis er fragt: Wovon redet ihr? -Was belastet euch? Wie gut das tut, einer, der zuhört, wenn du die ganze Geschichte noch einmal erzählst. Die Worte beginnen wieder zu fließen. Sie erzählen mit dem Vorzeichen ,,Vorbei“. Und du spürst, was du verloren hast. Und dann fließen auch die Tränen.

Du spürst, etwas ist anders. Spürst, ohne es deuten zu können. Und ihr geht weiter, mal redend, mal schweigend, bis an das Ende des Weges. Dann sitzt ihr am Tisch und er bricht das Brot. Er bricht es so, dass der Himmel nah kommt. Und da erkennst du: Er, den ich tot glaubte, ging neben mir. Und ist auch heute da, in jedem, der mitgeht auf Trauerwegen, Schritt für Schritt. Der das Schweigen verschiebt und sich die ganze Geschichte noch einmal erzählen lässt. Der weite Weg will gegangen sein.

Auf dem Weg erkanntest du das Brennen in deinem Herzen noch nicht, spürst nicht den Luftzug, der den glimmenden Docht anfacht, beharrlich und sanft. Bis der Moment kommt, der dir die Augen öffnet. Bis das Brot in deinem Mund wieder nach Erde und Himmel schmeckt. Und du das Brennen fühlst, die Flamme, die dich lebendig macht. Bis du beginnst, neu zu leben. Auferstehung mitten auf den Trauerwegen des Lebens.

Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Passions- und Osterzeit!

Pfarrerin Manuela Melzer