Liebe Gemeinde, liebe Leserschaft!
„Was guckst du?“ Beim Hören dieser Frage werde ich hellwach. Bin ich womöglich jemandem zu nahe gekommen mit meiner Neugier? Ist das jetzt die Ankündigung einer Prügelei? Kann ich den meinerseits ohne Vorsatz entstandenen Konflikt vielleicht noch aufhalten, ohne dass Personenschäden zu beklagen sind? „Ich sehe dich!“ Neulich im Kino gab es den überlangen 3D-Spielfilm „Avatar: The Way of Water“. Okay – billig war´s nicht, auch Popcorn und Cola mussten aufgestockt werden. Aber dafür ist die Tauchexkursion auf den Malediven nun überflüssig geworden. „Ich sehe dich!“ war im Film der Ausdruck tiefer Zuneigung, ja inniger Liebe zwischen Mensch und Mensch sowie zum Riesenfisch beziehungsweise -vogel.
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“
Die Jahreslosung für 2023 steht im 1. Mosebuch, Kapitel 16, Vers 13. Wieder steigen in mir zwiespältige Gefühle auf: „Gott sieht alles“ klingt fast wie eine Drohung, fordert den Verzicht auf jegliches Privatleben, da kann ich nur ängstlich den Kopf einziehen. „Gott sieht mich freundlich an“ versuche ich am Ende jedes Gottesdienstes beim Sprechen des Segens den Anwesenden zu vermitteln. Damit kann man gestärkt in die neue Woche gehen: Mein Schöpfer sieht nach mir – das beruhigt.
Hagar erlebt ein Wechselbad der Gefühle: Als Nebenfrau Abrahams (andere Zeiten, andere Sitten) ist sie schwanger geworden, sehr zur Freude ihres Herrn. Aber Hauptfrau Sara wird neidisch und schickt ihre Rivalin (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Wüste. Hier droht Hagar elend zugrunde zu gehen – bis ein Engel Gottes kommt und ihr tatkräftig Mut macht zum Weiterleben. Ein Brunnen taucht auf, und die Verjagte stärkt sich mit frischem Wasser. Übrigens hat es auch Sara in diesem Jahr immerhin zum Monatsspruch für Februar gebracht:
„Sara aber sagte:
Gott ließ mich lachen.“
War sie gerade noch wütend über Hagars Schwangerschaft, so wird ihr später ein eigener Sohn geschenkt: Isaak. Lachte die alte Frau erst über die Ankündigung seiner Geburt, so freut sie sich dann doch über ihren Sohn. Mit ihm fließt der Segen Gottes weiter in die Folgegeneration und erreicht am Ende durch Jesus Christus alle Menschen auf Erden.
Möge uns das nicht mehr ganz so junge Jahr Grund zum befreiten und befreienden Lachen geben. Mögen wir andere Menschen nah und fern liebevoll ansehen und ihnen Gutes tun. Und mögen wir die Nähe jenes Gottes spüren, der uns mit seinem Anblick segnen will!
Herzlichst: Vertretungspfarrer
Jürgen Berghaus aus Leverkusen

