Liebe Gemeinde,
der Begriff der Freiheit ist gerade ein oft genutzter Begriff in der Politik. Schnell wird die „Freiheit“ herbeizitiert, die durch den Verzicht auf Fleisch oder das Verbot schnell zu Fahren vermeintlich bedroht ist und verteidigt werden will.
Wie passend, das wir im Monatsspruch Mai vom Apostel Paulus etwas zur Freiheit lesen:
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.
Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.
1 Korinther 6,12
So klingt Freiheit. Besser kann man es nicht sagen. Paulus sieht uns alle befreit von der Last der Schuld. Christus hat uns frei gemacht durch sein Opfer am Kreuz. Diese Freiheit im Irdischen vom Irdischen sollen wir genießen; wir sind frei von der Last, uns das Leben zu Willen zu machen. Und dürfen Gott und Christus allezeit dafür danken. Das ist das Eine.
Das Andere ist, dass uns diese Freiheit auch verpflichtet. Und zwar zur Verantwortung gegenüber uns selbst und den anderen Geschöpfen. Es gibt keine Freiheit ohne Verantwortung. Es gibt kein befreites Leben ohne Pflicht gegenüber Anderen. Auch das drückt Paulus wunderbar aus. Weil wir frei sind, erkennen wir, dass uns längst nicht alles zum Guten dient; und wir bleiben nur dann frei, wenn nichts über uns herrscht, an das wir uns gebunden haben. Freiheit im Leben gibt es nur dann, wenn wir unsere Verantwortung erkennen und es nichts gibt, was wir über uns herrschen lassen. Nur als Verantwortliche bleiben wir frei.
Das alles sind viele gute Worte und Gedanken des Paulus, die er uns sozusagen ans Herz legt. Nun aber sind wir an der Reihe und dürfen unser Leben in Ruhe betrachten und fragen: Wo fühle ich mich unfrei – und warum? An was binde ich mich – und wie stark? Woher kommt das Gefühl, eingezwängt zu sein in so vieles, was ich angeblich nicht ändern kann? Diese Fragen sind nötig und wertvoll. Wir fühlen uns ja nicht schon dadurch frei, dass Paulus es behauptet. Wir können aber seine Gedanken in unser Leben hinein übersetzen und überlegen, was uns an Freiheit oder an der Empfindung, frei zu sein, hindert. Und was wir wohl daran ändern können?
Manches werden wir nicht ändern können. In manchen Leben ist die Verpflichtung gegenüber Anderen sehr groß und hinterlässt das Gefühl der Unfreiheit. Wenn sich ein Mensch um jemanden anderes wie zum Beispiel die Eltern kümmert und in die Pflege und Betreuung eingebunden ist, sind Gefühle der Unfreiheit unvermeidlich. Dann kann man noch mit Gottes und anderer Menschen Hilfe für kleine Inseln der Freiheit sorgen. Und hoffen, dass schon diese Inseln gut tun – und uns tief durchatmen lassen. Möge uns Gott darin ein Segen sein!
Pfarrer Philipp Müller
