Gemeindeglieder der drei evangelischer Gemeinden trafen sich am 6. Juli und am 3. August im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu zwei Gemeindenachmittagen. Die Vorbereitung und Durchführung erfolgte durch Pfarrer Jürgen Berghaus und Pfarrer Uwe Königsbüscher. Es ging um die bevorstehende Fusion. Mit den anwesenden Gemeindegliedern wurde besprochen, welche Ängste und Sorgen man für die neue gemeinsame Kirchengemeinde hat und was in diesem Zusammenhang wichtig für die eigenen Glauben und die Gemeinde ist.
Am zweiten Nachmittag haben sich die anwesenden Gemeindeglieder über Ort und Anzahl der zukünftigen Gottesdienste ausgetauscht und über einen ersten Entwurf einer gemeinsamen Liturgie beraten.
Nachfolgend drei Fragen an je ein Gemeindeglied aus jeder Gemeinde:
1. Wie haben Sie die Gemeindenachmittage erlebt?
2. Was nehmen Sie inhaltlich aus den Nachmittagen mit?
3. Welche Hoffnung verbinden Sie mit der anstehenden Fusion der drei evangelischen Gemeinden?
Es antworteten für die evangelische Kirchengemeinde Remlingrade-Dahlerau Marion und Norbert Ulrich:
Zu Frage 1: Wir waren angetan von der professionellen Vorbereitung und der zielführenden Gesprächsfüh-rung. Die Anwesenden hatten die Möglichkeit zur Information und Meinungsbildung.
Zu Frage 2: Es ist viel Beziehungsarbeit notwendig, damit nicht Heimat verloren geht, sondern ein neues Heimatgefühl entsteht. Anregungen zu den Gottesdiensten, Gottesdienstorten und gemeinsame Liturgie.
Zu Frage 3: Vertrauenvolles Zusammenwachsen: Wir-Gefühl! Wir hoffen, dass sich auch jüngere Menschen durch die Fusion für Rade evangelisch öffnen.
Für die lutherische Gemeinde antwortete Juliane Dyes:
Zu Frage 1: Zuerst einmal fand ich es gut, dass auch Gemeindemitgliedern ohne besonderen Auftrag er-möglicht wurde über die Fusion mit anderen ins Gespräch zu kommen. Die Gespräche waren geprägt von Sorgen, unter anderem um Liturgie, Abendmahl und Kirchenmusik. Es schien mir, dass alle Anwesende guten Willens sind, eine Gemeinschaft, eine Gemeinde zu werden.
Zu Frage 2: Das Abendmahl als trennendes Element und die Ausgestaltung des Kirchenraums (Bilder, Kerzen, Blumen) sind nicht die einzigen „Hindernisse“. Eine gemeinsame Liturgie so zu formulieren, dass die Mitglieder aller drei Kirchengemeinden sich dort wiederfinden, ist eine schwierige Auf-gabe. Die Fusion ist keine „Liebesheirat“, sondern aus finanziellen und personellen (Pfarrstellen) notwendig, um eine evangelische Gemeinde in Radevormwald auch weiterhin zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass die derzeitige Finanzlage allen bewusst ist, aber sparen und weiterführende Konzepte nicht angesagt sind. Anders kann ich mir das Ringen um die Kirchengebäude nicht erklären. Emotional kann ich es nachvollziehen, aber wirtschaftliches Handeln sieht anders aus.
Zu Frage 3: Meines Erachtens ermöglicht die Fusion, dass es in meiner Heimatstadt auch weiterhin eine evangelische, eine protestantische Gemeinde gibt. Trotz Einheit wünsche ich mir Vielfalt in der neuen Gemeinde, zum Beispiel die Spätgottesdienste zu Weihnachten und in der Osternacht, sowie Kirchenkonzerte, denn hier erreichen wir auch kirchenferne Menschen. Einen Kantor oder eine Kantorin wünsche ich mir trotz angespannter Finanzlage. Zudem erhoffe ich mir mehr Transparenz bezüglich der Arbeit des neuen Presbyteriums. Vielleicht können wir als EINE Gemeinde Menschen gewinnen, die zu uns zurückfinden beziehungsweise die den christlichen Glauben annehmen. Mittel- und langfristig brauchen wir mehr Christinnen und Christen, um als Gemeinde zu bestehen.
Die Antworten für die reformierte Gemeinde stammen von Peter Herche:
Zu Frage 1: Ich habe einige nette Leute kennen gelernt. Es war schön, dass wir miteinander gesprochen haben.
Zu Frage 2: Wenig. Es waren Alibi-Veranstaltungen. Kritiken, es gäbe kaum Informationen über den Fortschritt des geplanten Zusammenschlusses, sollte der Wind aus den Segeln genommen werden. Das ist nicht gelungen. Alles, was an den Nachmittagen gesagt wurde, war bereits bekannt.
Zu Frage 3: Keine. Es ist der untaugliche Versuch, aus drei insolventen Gemeinden eine große insolvente Gemeinde zu schmieden. Die Zahlungsunfähigkeit wird umso eher eintreten, je länger eine Entscheidung über die Umnutzung der kircheneigenen Gebäude hinausgezögert wird.
Anmerkung der Redaktion: Die Antworten spiegeln die Meinungen der Befragten wieder und entsprechen nicht immer den Tatsachen. So ist es zum Beispiel keinesfalls so, dass die drei Gemeinden insolvent sind.
